Dr. Ulrich Leinhos-Heinke

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Philosophisches Seminar

Update dieser Seite: 2018-01-29a

Lehrauftrag am Philosophischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

 

Sommersemester 2011:

Seminar

“Empathie, Mitgefühl, Mitleiden
aus philosophischer und psycho-biologischer Perspektive”

mit Michael Gerhard

Empathie, Mitgefühl, Mitleiden werden in den philosophischen Traditionen Asiens anders verstanden als in jenen des Abendlandes und dort noch einmal unterschiedlich zu psycho- biologischen Positionen.

Aristoteles zählt Empathie, Mitgefühl und Mitleiden zu den irrationalen Regungen, Seneca sind sie ein Mangel des kleinen Geistes, Spinoza hält sie für an sich schlecht und im 18. Jh. wird die Annahme, dass der Mensch von Natur aus zum Mitleid disponiert sei, zum Gegenstand leidenschaftlich geführter Diskussionen.

Drücken Mitgefühl und Mitleiden für Kant noch Weichmütigkeit aus, so werden sie bei Schopenhauer zur moralischen Triebfeder. Der Bhagavad Gita ist Selbstmitleid eine Form des Mitfühlens mit anderen, Nagarjuna verbindet Mitleiden mit nicht-inhärenter Existenz, Shantideva genügt eine grundsätzliche Leidensfähigkeit um Mitleiden zu begründen, Asanga ist es das höchste Handlungsprinzip und dem Dalai Lama unterliegt Mitleiden gar einer Logik.

Diese unterschiedlichen philosophischen Positionen werden kontrastiert mit verschie- denen Ansätzen, sich aus biologischer und physiologisch-psychologischer Sicht dem Thema zu nähern. Der "Empathie"-Begriff versucht dabei, die hoch konnotativen Begriffe des Mit-Gefühls und Mit-Leidens zu versachlichen und steht expressis verbis oder zumindest implizit im Mittelpunkt verschiedener naturwissenschaftlich-psychologischer Untersuchungen und Konzepte, etwa im Bereich der Neurophysiologie (z.B. Konzept der "Spiegelneurone"), der Hormon- und Entwicklungsphysiologie und -psychologie (z.B. Untersuchungen zur Bedeutung des "Sozialhormons" Oxytocin) oder der Evolutions- und Verhaltensbiologie (z.B. Untersuchungen des sozialen Lernens durch Nachahmung bei höheren Tiergruppen und Kleinkindern sowie das Konzept des "Biologischen Altruismus" bei Tieren).

Das Seminar will zur Begriffsklärung beitragen und stellt hierzu ausgewählte wissenschaftliche Positionen aus West und Ost in der Seminarfolge abwechselnd einander gegenüber. Dadurch werden auf der Metaebene am Beispiel dieses auch aus ethischer Sicht hochaktuellen Themenfeldes die unterschiedlichen Wege der Erkenntnisgewinnung und Begriffsbildung durch philosophisch-hermeneutische und naturwissenschaftlich-positivistische Methoden verdeutlicht. Das Seminar versucht dabei, durch seinen dialektischen Aufbau die Probleme und Chancen des metadisziplinären Diskurses zwischen Geistes- und Naturwissenschaften im Bereich der "Biophilosophie" auszuloten.

Weitere Informationen und Literaturempfehlungen

 

Wintersemester 2011/12:

Seminar

“Philosophische Implikationen der aktuellen Verhaltensbiologie “

Die moderne Verhaltensbiologie, besonders die Vergleichende Verhaltensbiologie der höheren Wirbeltiere (Vögel, Säugetiere, speziell Primaten) hat weitreichende Implikationen für das Menschen- und Gesellschaftsbild. Betroffen sind vor allem die in der aktuellen Verhaltensbiologie im Zentrum stehenden Beobachtungsbereiche Werkzeuggebrauch / Intelligenz, Kommunikation / Sozialität / Altruismus und Selbst- erkennung / Bewusstsein / Selbstbewusstsein, die ihrerseits untereinander eng verknüpft sind, aber auch für die Humanpsychologie eine große Bedeutung haben.

Mit der Verhaltensbiologie eng verbunden ist wiederum die Evolutionsbiologie, da diese davon ausgeht, dass auch Verhaltenskomponenten bei Tieren und Menschen der biologischen Evolution im Sinne Darwins unterliegen (“Verhaltensgenetik”) und sich dies in der Evolution der Primaten bis hin zum Menschen zumindest teilweise nachvollziehen lässt.

Philosophische und anthropologische Fragestellungen kommen nicht umhin, diese verhaltensbiologischen Befunde und Theorien kritisch zu rezipieren, um sie einerseits auf ihre Aussagekraft für philosophische Konzepte (z.B. "Geist", "Subjekt") hin zu überprüfen, andererseits wiederum die Erkenntnisprozesse und Prämissen der Verhaltensbiologie selbst der Kritik zu unterziehen.

Das Seminar soll hierfür Grundlagen liefern, indem es einige aktuelle Befunde der Vergleichenden Verhaltensbiologie kritisch diskutiert und auf ihre Aussagekraft jenseits populärwissenschaftlich trivialisierender Interpretationen überprüft. Dadurch sollen die Studierenden die Kompetenz erwerben, naturwissenschaftliche Veröffentlichungen in ihrer Aussagekraft für philosophische Fragestellungen zu verstehen, aber auch deren Grenzen zu erkennen, indem sie lernen

a) begriffsanalytisch Anthropozentrismen und Anthropomorphismen in der Deutung verhaltensbiologischer Befunde zu durchschauen,

b) proximate "naturalistisch-reduktionistische" Ursachen von Verhalten von teleologischen "Erklärungen" für Verhalten (in der Tradition einer Naturteleologie bei Aristoteles, Leibniz, Locke; in Abgrenzung zu einem nicht-teleologischen Naturverständnis bei Descartes, Hobbes, auch Spinoza) zu unterscheiden und dabei die heuristische Funktion von "teleonomischen" Begründungen durch die in der modernen Verhaltensbiologie so bezeichneten "ultimaten Funktionen von Verhalten" (auch in der Tradition von Kants "Kritik der teleologischen Urteilskraft") zu verstehen, und

c) auf dieser begrifflichen Grundlage aktuelle "Biologismen" in der öffentlichen Diskussion kritisch zu überprüfen.

Zur Ergänzung werden auch einige biologie- und philosophiehistorische Aspekte aus dem 20. Jh. wie der eher reduktionistische "Behaviorismus"- und der eher anthropomorphe "Tierpsychologie"-Begriff sowie die umwelttheoretische Verhaltenskonzeption Jakob von Uexkülls sowie die Ansätze einer philosophischen Anthropologie bei Plessner oder Gehlen kritisch einbezogen.

Das Proseminar will insgesamt einführend zur analytischen Begriffsklärung beitragen und stellt hierzu exemplarisch ausgewählte wissenschaftliche Begriffe und Positionen der Verhaltensbiologie und der Philosophie, aber auch der Psychologie einander gegenüber. Dadurch werden auf der Metaebene am Beispiel dieses auch aus ethischer Sicht hochaktuellen Themenfeldes die unterschiedlichen Wege der Erkenntnisgewinnung und Begriffsbildung durch phänomenologische, hermeneutische und naturwissenschaftlich-induktive Methoden verdeutlicht. Das Seminar versucht dabei immer, durch seinen kontrastiven Aufbau die Probleme und Chancen des interdisziplinären Diskurses zwischen Geistes- und Naturwissenschaften im Bereich einer "Biophilosophie" auszuloten.

In den ersten Sitzungen erfolgt darüber hinaus eine konzentrierte praxisorientierte Einführung in die Anforderungen des akademischen Referierens und Verfassens.
 

Weitere Informationen und Literaturempfehlungen


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Philosopie der Biologie